Glossar · ERP & Geschäftsprozesse
Was ist Chargenverfolgung?
Kurz erklärt
Chargenverfolgung bedeutet, dass ein Unternehmen für jede Produktionsmenge (Charge) festhält, woher sie stammt, wo sie lagert und an wen sie geliefert wurde. So lassen sich fehlerhafte Waren schnell finden und gezielt zurückrufen.
Chargenverfolgung bedeutet, dass Sie für jede Charge (eine Menge Ware, die unter gleichen Bedingungen hergestellt oder eingekauft wurde) festhalten, woher sie kommt und wohin sie geht. Taucht ein Qualitätsproblem auf, sehen Sie so deutlich schneller, welche Kunden betroffen sind. Für Lebensmittelhändler, Kosmetikhersteller oder Ersatzteilgroßhändler ist das oft Pflicht oder eine feste Kundenanforderung.
Wie funktioniert Chargenverfolgung?
Jede Charge bekommt eine eindeutige Nummer, die Chargennummer. Diese Nummer begleitet die Ware durch alle Schritte vom Wareneingang bis zum Versand.
- Wareneingang: Die Chargennummer des Lieferanten wird erfasst oder eine eigene vergeben, oft per mobilem Scanner (MDE).
- Lager: Das System weiß, auf welchem Lagerplatz welche Charge liegt.
- Verarbeitung: In der Produktion wird festgehalten, welche Rohstoff-Chargen in welches Endprodukt geflossen sind.
- Warenausgang: Lieferschein und Rechnung zeigen, welche Charge an welchen Kunden ging.
Daraus ergeben sich zwei Blickrichtungen. Die Rückverfolgung zeigt, von welchem Lieferanten eine Charge stammt. Die Vorwärtsverfolgung zeigt, an welche Kunden sie geliefert wurde.
Technisch übernimmt das meist das Warenwirtschaftssystem oder ein Lagerverwaltungssystem (WMS). Voraussetzung für eine lückenlose Chargenverfolgung ist, dass die Nummer an jeder Station tatsächlich gebucht wird.
Chargennummer, Seriennummer und MHD
Im Alltag werden mehrere Kennzeichen verwechselt. Die Tabelle zeigt die Unterschiede.
| Kennzeichen | Bezieht sich auf | Typisches Beispiel |
|---|---|---|
| Chargennummer | eine ganze Produktionsmenge | alle Flaschen Olivenöl aus derselben Abfüllung |
| Seriennummer | ein einzelnes Stück | eine Bohrmaschine, ein Laptop |
| MHD oder Verfallsdatum | die Haltbarkeit einer Charge | Lebensmittel, Kosmetik, Klebstoffe |
Das MHD (Mindesthaltbarkeitsdatum) wird meist zusammen mit der Chargennummer gespeichert. Viele ERP-Systeme erlauben zusätzlich ein Garantiedatum, etwa für Geräte mit Seriennummer.
FIFO und FEFO: Welche Ware verlässt zuerst das Lager?
Wer seine Chargen kennt, kann auch steuern, welche Ware zuerst ausgeliefert wird. Zwei Regeln sind verbreitet.
- FIFO (First In, First Out): Was zuerst eingelagert wurde, geht zuerst raus. Das passt zu Ware ohne Ablaufdatum, etwa Schrauben oder Verpackungen.
- FEFO (First Expired, First Out): Was zuerst abläuft, geht zuerst raus. Das ist bei Lebensmitteln, Getränken oder Pflegeprodukten sinnvoll.
Eine gute Chargenverfolgung schlägt bei der Kommissionierung dann automatisch die passende Charge vor. So vermeiden Sie abgelaufene Ware im Regal und unnötige Abschreibungen.
Pflichten zur Rückverfolgbarkeit
Ob Sie Chargen verfolgen müssen, hängt von Branche und Produkt ab. Für Lebensmittel und Futtermittel regelt die EU-Verordnung (EG) 178/2002 in Artikel 18 die Rückverfolgbarkeit.
Danach müssen Unternehmen feststellen können, von wem sie ein Lebensmittel oder einen Rohstoff erhalten haben. Sie müssen außerdem wissen, an welche Unternehmen sie ihre Erzeugnisse geliefert haben, und diese Angaben den Behörden auf Anfrage zur Verfügung stellen.
Auch ohne gesetzliche Pflicht verlangen viele Großkunden und Marktplätze eine lückenlose Chargenverfolgung. Klären Sie die Anforderungen Ihrer Branche am besten vor der Auswahl eines ERP-Systems.
Was bedeutet Chargenverfolgung für Ihr Unternehmen?
Im Ernstfall entscheidet die Chargenverfolgung darüber, ob Sie eine einzelne Charge oder Ihr ganzes Sortiment zurückrufen müssen. Das schützt Kunden, Ruf und Marge.
- Nutzen: gezielte Rückrufe, weniger Verderb durch FEFO, belastbare Nachweise gegenüber Kunden und Behörden.
- Aufwand: Jede Buchung braucht die Chargennummer. Ohne Scanner und klare Abläufe steigt der Erfassungsaufwand spürbar.
- Kostenfaktoren: passendes ERP- oder Lagermodul, Scanner und Etikettendrucker, Einrichtung und Schulung.
- Prüfen: Verfolgt das System Chargen auch durch die Produktion? Lassen sich Chargen bei der Inventur getrennt zählen?
- Typischer Fehler: Chargen werden nur beim Wareneingang erfasst, aber nicht beim Versand. Dann bricht die Kette genau dort ab, wo sie gebraucht wird.
Ein Praxisbeispiel ist VARIO Cloud: Das Zusatzmodul Lager & Logistik (WMS) verwaltet mehrere Lager mit Charge und Seriennummer und unterstützt MDE-Scanner. Dieser Beitrag ersetzt keine Rechtsberatung.
Häufige Fragen
Brauche ich Chargenverfolgung auch als kleiner Händler?
Wenn Sie Lebensmittel, Kosmetik oder andere Waren mit begrenzter Haltbarkeit verkaufen, sehr wahrscheinlich. Auch bei technischen Produkten verlangen Hersteller und Kunden oft Serien- oder Chargennummern. Für Standardware ohne Haltbarkeit reicht häufig eine einfache Bestandsführung.
Was ist der Unterschied zwischen Charge und Seriennummer?
Eine Charge fasst viele gleiche Einheiten zusammen, etwa alle Flaschen einer Abfüllung. Eine Seriennummer gibt es genau einmal, für ein einzelnes Gerät. Manche Artikel tragen beides.
Kann ich Chargenverfolgung nachträglich einführen?
Ja, vollständig allerdings nur für neue Bestände. Vorhandene Ware erfassen Sie bei einer Inventur mit Chargennummer oder verkaufen sie zuerst ab. Planen Sie die Umstellung deshalb zu einem festen Stichtag.
Stand: · Verantwortlich: Raphael Neuberger, Gründer Newmountains.IT
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