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Glossar · ERP & Geschäftsprozesse

Was ist eine Stückliste?

Kurz erklärt

Eine Stückliste (englisch Bill of Materials, BOM) führt alle Bauteile, Rohstoffe und Mengen auf, die für ein Produkt nötig sind. Sie ist die Grundlage für Einkauf, Produktion und Kalkulation im ERP-System.

Auch bekannt als:StücklistenBill of MaterialsBOM

Eine Stückliste (englisch Bill of Materials, kurz BOM) ist die vollständige Aufstellung aller Bauteile, Rohstoffe und Mengen, aus denen ein Produkt besteht. Sie beantwortet die Frage: Was brauche ich, um ein Stück davon herzustellen? Für Produzenten, Manufakturen und Händler, die Sets zusammenstellen, ist sie die Grundlage für Einkauf, Fertigung und Preisbildung.

Wie funktioniert eine Stückliste?

Jede Zeile nennt eine Komponente, die benötigte Menge und die Einheit, etwa Stück, Meter oder Kilogramm. Oben steht das fertige Erzeugnis, darunter folgen Baugruppen und Einzelteile.

Ein Beispiel aus einer Schreinerei: Ein Esstisch besteht aus einer Tischplatte, vier Beinen, acht Schrauben und einer Dose Öl. Die Tischplatte kann wiederum eine eigene Baugruppe sein, zusammengesetzt aus Holzleisten und Leim.

  • Komponente: ein Artikel aus den Stammdaten, also mit Artikelnummer, Einheit und Einkaufspreis.
  • Menge: wie viel davon pro fertigem Stück nötig ist.
  • Ausschuss: ein Zuschlag für Verschnitt oder Bruch, der die geplante Menge erhöht.
  • Verpackung: Auch Kartons und Etiketten gehören dazu, wenn sie pro Stück verbraucht werden.

Das ERP-System nutzt diese Angaben für die Bedarfsplanung. Liegt ein Auftrag über zehn Tische vor, errechnet es automatisch, wie viele Beine und Schrauben im Lager sein müssen.

Die wichtigsten Arten im Überblick

Je nach Produkt und Zweck gibt es verschiedene Darstellungsformen. Die folgenden vier sind in Lehrbüchern und ERP-Systemen am häufigsten zu finden. Welche Form Sie brauchen, hängt davon ab, wie tief Ihre Produkte verschachtelt sind und wie viele Varianten es gibt.

Art Was sie zeigt Geeignet für
Mengenübersichtsstückliste alle Teile mit ihrer Gesamtmenge, ohne Aufbau Einkauf und einfache Produkte
Strukturstückliste alle Ebenen mit Baugruppen, hierarchisch eingerückt Produkte mit mehreren Fertigungsstufen
Baukastenstückliste nur eine Ebene, jede Baugruppe hat eine eigene Liste Baugruppen, die in vielen Produkten vorkommen
Variantenstückliste mehrere ähnliche Produkte in einer gemeinsamen Liste Produkte in Farben, Größen oder Ausstattungen

In der Praxis kombinieren viele Betriebe mehrere Formen. Ein Fahrradhersteller nutzt etwa eigene Listen für Laufräder als Baugruppe und eine Variantenlösung für unterschiedliche Rahmengrößen.

Zusammenspiel mit Arbeitsplan und Kalkulation

Die BOM sagt, was verbaut wird. Der Arbeitsplan sagt, wie und wo: welche Arbeitsschritte in welcher Reihenfolge an welcher Maschine oder welchem Arbeitsplatz anfallen.

Im ERP werden beide verknüpft. Eine Komponente lässt sich einem bestimmten Arbeitsgang zuordnen, etwa die Schrauben dem Schritt „Montage“.

Zusammen bilden sie die Basis der Kalkulation:

  • Materialkosten: Summe aller Komponenten einschließlich Ausschuss.
  • Fertigungskosten: Zeiten aus dem Arbeitsplan multipliziert mit den Kostensätzen der Arbeitsplätze.
  • Losgröße: Rüstzeiten (Zeit zum Einrichten einer Maschine) verteilen sich auf die gefertigte Menge und verändern die Stückkosten.

Ändert sich der Einkaufspreis eines Bauteils, kann das System die Herstellkosten neu berechnen. So sehen Sie früh, ob Ihre Verkaufspreise noch passen.

Was bedeutet eine Stückliste für Ihr Unternehmen?

Eine gepflegte Materialliste ist die Voraussetzung dafür, dass Einkauf, Lager und Produktion mit denselben Zahlen arbeiten. Fehler darin wirken sich auf jeden Auftrag aus.

  • Nutzen: weniger Fehlmengen, genauere Nachkalkulation, schnellere Angebote.
  • Risiken: Veraltete Listen nach Produktänderungen führen zu falschen Bestellungen und falschen Preisen.
  • Kostenfaktoren: einmaliger Aufwand für die Erfassung, laufende Pflege bei Änderungen, ein ERP-Modul für die Produktion.
  • Entscheiden: Wer darf Listen ändern, und wie werden Änderungen freigegeben?
  • Versionen: Halten Sie fest, ab wann eine geänderte Liste gilt, damit laufende Aufträge nicht plötzlich mit anderen Teilen geplant werden.
  • Typischer Fehler: Das Wissen steckt in Excel-Dateien einzelner Mitarbeitender und wird bei der ERP-Einführung nicht sauber übernommen.

Bei der Übernahme aus Excel oder einem Altsystem hilft eine geplante Datenmigration. In VARIO Cloud etwa plant das Zusatzmodul Produktion die Fertigung mit Stücklisten, Arbeitsplänen und Kalkulation.

Häufige Fragen

Brauche ich eine Stückliste, wenn ich nicht selbst produziere?

Oft ja. Händler, die Sets, Bundles oder Geschenkkörbe zusammenstellen, nutzen einfache Materiallisten, damit der Bestand der Einzelteile stimmt. Im ERP heißen solche Artikel häufig Set- oder Montageartikel.

Was ist der Unterschied zwischen BOM und Arbeitsplan?

Die BOM listet das Material, der Arbeitsplan die Arbeitsschritte. Erst beides zusammen ergibt ein vollständiges Bild der Herstellung und der Kosten.

Wie kommen meine Excel-Listen ins ERP?

Bereinigen Sie zuerst Artikelnummern und Einheiten. Danach lassen sich die Listen meist per Import übernehmen. Prüfen Sie einige Produkte stichprobenartig, bevor Sie mit dem neuen System live gehen.

Stand: · Verantwortlich: Raphael Neuberger, Gründer Newmountains.IT

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